© CanvaHausaufgaben: Für viele Jugendliche reine Zeitverschwendung?
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Zwischen Anspruch, Wirklichkeit und Smartphone-Ablenkung entsteht ein Spannungsfeld, das Familien täglich beschäftigt.
Durchgeführt wurde die Online-Erhebung vom Nachhilfeinstitut LernQuadrat gemeinsam mit dem Bundeselternverband. Befragt wurden 1.194 Schüler*innen im Alter von 10 bis 19 Jahren sowie 404 Eltern in ganz Österreich.
85 Prozent sagen: Hausaufgaben stehlen Zeit
Das zentrale Ergebnis der Studie ist eindeutig:
85 Prozent der befragten Jugendlichen empfinden Hausaufgaben als Zeitverlust – etwa im Hinblick auf Prüfungsvorbereitung oder Freizeit.
Zwar sitzt ein Großteil täglich zwischen 30 und 60 Minuten an den Aufgaben, jeder Zehnte sogar länger als 90 Minuten. Mit der Menge ist mehr als die Hälfte grundsätzlich einverstanden. Doch nur rund ein Drittel hält Hausübungen tatsächlich für sinnvoll und glaubt an einen nachhaltigen Lernzuwachs. Jeder Zweite ist überzeugt, dass Hausaufgaben kaum Einfluss auf die Note haben.
Für 13 Prozent der Jugendlichen und 9 Prozent der Eltern sind Hausaufgaben sogar ein veraltetes Konzept, das abgeschafft gehört.
Zwischen Perfektion und „schnell erledigt“
Auch der Umgang mit den Aufgaben ist unterschiedlich:
- Vier von zehn Schüler*innen arbeiten möglichst genau und ordentlich.
- 37 Prozent wollen die Aufgaben vor allem schnell hinter sich bringen.
- Jeweils 7 Prozent erledigen sie unregelmäßig, schreiben ab oder nutzen – wenn möglich – Künstliche Intelligenz.
Interessant: Eltern stehen dem Einsatz von KI zur Unterstützung ihrer Kinder mittlerweile relativ offen gegenüber. Rund die Hälfte zeigt sich damit einverstanden.
Feedback macht den Unterschied
In einem Punkt herrscht Einigkeit zwischen Eltern und Jugendlichen:
Hausaufgaben bringen nur dann wirklich etwas, wenn es Rückmeldung gibt.
Doch genau hier liegt laut Schülerinnen ein Problem – nur etwa jeder Dritte erhält regelmäßig Feedback.
Eltern bewerten Hausaufgaben insgesamt deutlich positiver. 42 Prozent glauben sogar, sie selbst hätten früher mehr Aufgaben gehabt. Jede*r Achte meint, es könnte heute durchaus noch mehr aufgegeben werden.
Hohe Selbstständigkeit – wenig elterliche Wahrnehmung
Die meisten Schülerinnen erledigen ihre Hausübungen selbstständig, allein und zu Hause – oft erst am Tag vor der Abgabe. Rund jeder Fünfte hat regelmäßig Schwierigkeiten, besonders in Mathematik, gefolgt von Deutsch und Englisch.
Viele Probleme bleiben für Eltern unsichtbar, da Jugendliche versuchen, Lösungen über das Internet zu finden. Bei den 10- bis 14-Jährigen sieht das noch anders aus: Hier ist die Mutter meist die erste Ansprechperson.
Ein Viertel der Eltern ist gar nicht in die Hausaufgaben involviert, 12 Prozent helfen sehr häufig – vor allem bei jüngeren Kindern. Kontrolle spielt ebenfalls eher bei den Jüngeren eine Rolle:
- 39 Prozent fragen nach, ob die Aufgaben erledigt wurden.
- 33 Prozent sehen sich die Hausübungen vor der Abgabe an.
Das Konfliktpotenzial wird insgesamt als moderat beschrieben. Interessant ist jedoch: Eltern nehmen Konflikte doppelt so häufig wahr wie ihre Kinder.
Smartphone: Lernhilfe oder Konzentrationskiller?
Das Smartphone ist fixer Bestandteil des Lernalltags – mit ambivalenter Wirkung.
Einerseits wird es genutzt, um Informationen zu recherchieren oder Aufgaben mithilfe von KI zu lösen. Andererseits ist es eine massive Ablenkungsquelle: 46,5 Prozent der Jugendlichen geben an, während der Hausaufgaben häufig oder sehr häufig auf Plattformen wie Instagram, YouTube, TikTok oder WhatsApp unterwegs zu sein – ein Wert, den Eltern deutlich unterschätzen.
„Die permanente Ablenkung durch Social Media erschwert konzentriertes Lernen massiv. Wenn Aufmerksamkeit ständig unterbrochen wird, bleibt weniger hängen – und Hausaufgaben verlieren an Wirkung“, erklärt Angela Schmidt, Unternehmenssprecherin von LernQuadrat. Ihre Empfehlung: Während der Lernzeit sollte das Handy konsequent ausgeschaltet sein.
Was Schüler*innen wirklich lernen wollen
Ein besonders spannender Teil der Umfrage betrifft die Frage nach fehlenden Lehrinhalten.
Jede*r Fünfte wünscht sich mehr „Kompetenzen fürs Leben“. Genannt wurden unter anderem:
- Wohnung suchen und Mietverträge verstehen
- Versicherungen abschließen
- Geld verdienen und sinnvoll einteilen
- Alltägliche Probleme lösen
- Finanzen und Steuern
- Kochen und Ernährung
- Mentale Gesundheit
Mehr Inhalte zu KI, Digitalisierung oder Medienkompetenz wünschen sich hingegen nur 3 Prozent der Befragten.
„Die Umfrage zeigt eindrucksvoll, welche Fähigkeiten den Schüler*innen wichtig sind: Lebenskompetenz und Finanzbildung stehen weit vor KI und Medienkompetenz. In Anbetracht der aktuellen Diskussion zum neuen Schulfach KI sollte das unbedingt berücksichtigt werden“, betont Marcus Dekan, Präsident des Bundeselternverbandes.
Fazit für Familien
Die Ergebnisse machen deutlich: Zwischen Eltern und Kindern gibt es unterschiedliche Wahrnehmungen rund um das Thema Hausaufgaben. Während Eltern den pädagogischen Wert höher einschätzen, fühlen sich viele Jugendliche zeitlich belastet – und in ihrer Konzentration durch digitale Ablenkung gefordert.
Für Familien bedeutet das vor allem eines:
Offen über Erwartungen, Lernstrategien und digitale Regeln zu sprechen. Denn Hausaufgaben sind nicht nur eine schulische Aufgabe – sondern ein familiäres Thema.

